Kirchen und Klöster in der Lüneburger Heide
Heidekirchen - 14. - 16. Jahrhundert
Kirche in PlateWährend es im Wendland zu keiner einzigen Klostergründung kommt, finden sich im Kirchenkreis Uelzen heute zwei der sechs Lüneburger Klöster, Ebstorf aus der Zeit Heinrichs des Löwen sowie Medingen, dessen Keimzelle 1228 von einem Magdeburger Geistlichen gelegt worden ist.

Die Glaubens- und Frömmigkeitsgeschichte der Nonnen in diesen Frauenklöstern offenbart sich in Kunstwerken der Gotik, des Barock und anderer Epochen, ob nun in den Kreuzgängen, den sakralen Einrichtungen, den weltberühmten, Wandteppichen oder in den kunsthistorisch wertvollen Klosteranlagen insgesamt. Nach der Reformation sind alle sechs Lüneburger Klöster zu evangelischen Damenstiften umgewidmet worden. In ihnen leben heute noch alleinstehende Frauen lutherischen Glaubens. Sie versuchen auf christlicher Grundlage kulturellen, kirchlichen und sozialen Zwecken zu dienen und machen die Klosterschätze Kunstliebhabern zugänglich.

Im Bereich der Ostheide setzt sich seit dem Hochmittelalter stilistisch die für Norddeutschland typische Backsteingotik durch; die hervorragendsten Kirchenbauten der Gotik sind St. Marien mit den gotischen Nebenkapellen in Uelzen, St. Marien in Plate, die Ebstorfer Klosteranlage und die in späteren Bauperioden stark veränderten, dreischiffigen Stadtkirchen zu Dannenberg und Lüchow, während die Kirche zu Schnackenburg in Backsteinbauweise aus dem 13. Jh. noch völlig romanisch empfunden ist.

Ernst der Bekenner Die Einführung der Reformation in der Heideregion ist eng mit dem Welfenhaus verbunden: Von den 1495 entstandenen vier Linien des Adelsgeschlechtes - Lüneburg, Grubenhagen, Calenberg und Wolfenbüttel - haben die einzelnen Vertreter jeweils unterschiedliche Beziehungen zum lutherischen Glauben. Und das hat Auswirkungen: Es geht um Reformation und Gegenreformation, um Machtpolitik, Erbstreitigkeiten etc., und zwar bis hinein in die Jahre des Dreißigjährigen Krieges und schließlich bis zum Westfälischen Frieden 1648. Die Reformation zerstört im 16. Jahrhundert die Einheit des Welfenhauses. Im Fürstentum Lüneburg veranstaltet der in Celle residierende Herzog Ernst (1521 - 1546) 1527 einen Landtag zu Scharnebeck - heute Kirchenkreis Bleckede. Dort wird beschlossen, die neue Lehre im Lüneburgischen, also auch im Wendland, durchzusetzen. Seit 1530 wird er dabei unterstützt durch den süddeutschen Theologen und Lutherfreund Urbanus Rhegius. Herzog Ernst hat in Wittenberg bei Luther studiert und führt auf den Reichstagen zu Speyer und Augsburg zwischen 1526 und 1530 die protestantischen Fürsten in vorderster Reihe an. Daher stammt sein späterer Name Ernst der Bekenner.

Die Reformation vollzieht sich in etlichen Gemeinden sehr zögerlich, in den Klöstern Ebstorf und Medingen erst bis 1565, in Uelzen jedoch schon 1527.


Zurück (8. - 13. Jahrhundert) | Weiter (17. - 18. Jahrhundert)