Kirchen und Klöster in der Lüneburger Heide
10. - 16. Jahrundert

Um 950 baut Hermann Billung (+ 973) Lüneburg als stärkste Festung des Herzogtums Sachsen aus. Zusammen mit seinem Bruder Amelung, dem Bischof von Verden, gründet er das Benediktinerkloster St. Michael auf dem Kalkberg zu Lüneburg, dem Kaiser Otto I. 956 den Salzzoll schenkt. Der hierdurch bedingte Reichtum läßt in den nachfolgenden Jahrhunderten die prächtigen gotischen Backsteinkirchen Lüneburgs entstehen.

Unter den Billungern und anschließend unter den Welfen, etwa der Schwiegertochter Heinrichs des Löwen - Agnes von Landsberg - werden während der Blütezeit der Klostergründungen vom 11. bis 13. Jahrhundert die sechs bekannten Heideklöster errichtet: Die Glaubens- und Frömmigkeitsgeschichte jener Nonnen und Mönche offenbart sich in den - überwiegend - gotischen Kunstwerken, ob nun in den Kreuzgängen, den sakralen Einrichtungen, den weltberühmten Wandteppichen oder in den Klosteranlagen insgesamt.

Zur architektonischen Landschaft der Lüneburger Heide gehören aber auch alte romanische Kirchen, Westwerke, Balkendecken, kleine rundbogige Fenster, Feldsteinkirchen und Fachwerke.

Sowohl in den Klöstern als auch in den alten Heidekirchen können die Besucher heute durch geistliche Abendmusiken, verbunden mit der verkündigenden Kraft romanischer und gotischer Sakralarchitektur, Erbauung und Gottesbegegnung erfahren.

Die Einführung der Reformation in der Heideregion ist eng mit dem Welfenhaus verbunden. Von den 1495 entstandenen vier Linien des Adelsgeschlechtes - Lüneburg, Grubenhagen, Calenberg und Wolfenbüttel - haben die einzelnen Vertreter jeweils unterschiedliche Beziehungen zum lutherischen Glauben. Und das wirkt sich aus: Es geht um Reformation und Gegenreformation, um Machtpolitik, Erbstreitigkeiten etc., und zwar bis hinein in die Jahre des Dreißigjährigen Krieges und schließlich bis zum Westfälischen Frieden 1648.

Ernst der Bekenner Die Reformation zerstört im 16. Jahrhundert die Einheit des Welfenhauses. Im Fürstentum Lüneburg setzt Herzog Ernst (1521 - 1546, Bild links) die neue Lehre durch, seit 1530 mit Hilfe des süddeutschen Theologen Urbanus Rhegius. Herzog Ernst hat in Wittenberg bei Luther studiert und führt auf den Reichstagen zu Speyer und Augsburg zwischen 1526 und 1530 die protestierenden Fürsten in vorderster Reihe an. Daher stammt sein Name “Ernst der Bekenner”.

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